
Die massive Übernutzung von Grundwasser für die landwirtschaftliche Bewässerung ist einer der Hauptgründe für das Absinken des Grundwasserspiegels, warnen Wissenschaftler in einem diese Woche online erschienenen Artikel für das Fachjournal ‚Nature Geoscience’. Der Umweltphysiker Werner Aeschbach-Hertig und der Hydrogeologe Tom Gleeson fassten den aktuellen Forschungsstand zusammen und stützten sich auf Grundwassermessungen und Satellitendaten. Auf globaler Ebene trägt die Entleerung der Grundwasserspeicher zum Anstieg des Meeresspiegels bei und führt zu Wasserengpässen in der Lebensmittelproduktion. Das Versiegen des Grundwassers stellt ein häufiges Problem in großen Grundwassersystemen dar, sowohl in halbtrockenen als auch in feuchten Regionen. „Grundwasser-Systeme sind zwar Speicher von enormem Ausmaß, eine Neubildung erfolgt jedoch nur langsam“, erklärt Professor Aeschbach-Hertig, Direktor des ‘Heidelberg Center for the Environment’. Besonders bedrohlich ist die Lage in trockenen Gebieten mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung, wie in Teilen Indiens, Chinas und der USA. Dort kann die Lebensmittelproduktion nur nachhaltig gestaltet werden, wenn die Grundwasserspeicher stabilisiert werden. Dafür ist jedoch ein Umdenken im Management und der Wertschätzung der Grundwassersysteme nötig sowie die Entwicklung regional angepasster Lösungen. „Rein technische Strategien sind dabei nicht erfolgreich. Es müssen breiter abgestützte ökonomische, politische und rechtliche Maßnahmen einbezogen werden“, sagt Aeschbach-Hertig. Technische Ansätze, wie etwa die Wasserzufuhr aus feuchteren Regionen oder ein künstliches Wiederauffüllen der Grundwasserspeicher konnten den Grundwasserschwund bisher nicht aufhalten.
klimaretter.info: Grundwasser wird zu stark genutzt
sueddeutsche.de: Landwirtschaft und Grundwasser – Gefährlich sinkende Pegel
Universität Heidelberg: Regionale Strategien sollen das globale Problem der Grundwasserübernutzung lösen
Nature Geoscience: Regional strategies for the accelerating global problem of groundwater depletion